Kontaktseite von Geschwistern für Geschwister


Willkommen auf unserer Kontaktseite von Geschwistern für:

Geschwister von Menschen, die durch einen Unfall mit Sauerstoffmangel behindert oder schwer krank geworden sind.

Auf dieser Seite habt ihr als Geschwister die Möglichkeit mit uns per E-Mail in Kontakt zu treten, Erfahrungen und Probleme mit uns auszutauschen. Wir, das bin in erster Linie ich, Nadjeschda (geb. 07.06.83), mein Bruder Tim- Fabian (geb. 08.11.92) und meine Schwester Janina (geb. 02.05.96).



Jan-Pascal, um den es auf der Homepage geht, ist unser Bruder.
Während die Idee zu unserer Homepage entstand und heftig über die Inhalte diskutiert wurde, kam mir der Einfall, auch einmal eine Rubrik für die Geschwister von Betroffenen einzurichten, da diese und die Familien selbst auf Seiten dieser Art selten erwähnt werden. Ich denke, dass gerade die Geschwister unter einer veränderten familiären Situation aufgrund eines Unfalls eines Geschwisterkindes leiden. Besonders dann, wenn der oder die Betroffene Person auch nach dem Unfall wieder zu Hause wohnt, was nicht sehr oft vorkommt, jedoch erstrebenswert ist.

Bei uns hat sich das ganze Leben seit dem Unglückstag, dem 25. März 1992, komplett verändert. Fast nichts ist mehr so, wie es einst früher in guten Zeiten gewesen ist:

Als mein Bruder damals in einem Stadtfluß ertrank, war ich 8 Jahre alt. Meine beiden anderen Geschwister waren damals noch nicht auf der Welt. Sie haben meinen Bruder nicht als gesundes Kind kennengelernt, so wie ich und meine Eltern. Bis zu einem gewissen Teil ist es für sie dadurch leichter mit der Situation umzugehen; sie haben die heile, ganz andere Welt nicht erlebt. Auf der einen Seite ist dieses für sie sehr schade, auf der anderen Seite wissen sie so auch nicht wirklich, was ihnen genommen wurde. Ich hingegen habe Jan-Pascal 6 ½ Jahre lang als gesunden Jungen gekannt und mit ihm sehr viel schöne Sachen gemeinsam erlebt. Doch plötzlich war er nicht mehr da. Zwar hatte er den Unfall überlebt, doch er war und ist bis heute nicht mehr der Mensch, der er vor seinem Unfall gewesen ist. Er kann nicht sprechen, nicht laufen und sich selbst kaum bewegen. Ohne fremde Hilfe könnte er nicht überleben.

Ich bin sehr froh, dass es Janni gibt und dass wir oft heute so viel Spaß miteinander haben, doch würde ich mir nichts sehnlicher wünschen, als dass er wieder gesund werden würde. Um so mehr bin ich glücklich auch noch zwei weitere Geschwister zu haben. Doch oft fällt es uns allen nicht leicht, das Leben zu meistern; nicht nur innerhalb der Familie mit der Situation fertig zu werden fällt einem schwer, sondern vor allem auch der Umgang mit der Außenwelt, der Gesellschaft, was größtenteils in der familiären Situation begründet liegt.

Tag und Nacht therapieren unsere Eltern Jan-Pascal. Tag und Nacht tragen wir Verantwortung für ihn, müssen zusehen, dass er immer versorgt wird und trotzdem gibt es heutzutage eher Rückschritte als Fortschritte. Das gesamte Familienleben ist auf Jan-Pascal aufgebaut und die ganze Familie stellt ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche größtenteils zurück. Hinzu kommen, wie bereits angesprochen, die Kontakte zur Außenwelt, welche so gut wie kaum vorhanden sind. Immer wieder ist man frustriert und gekränkt, wenn man die vielen Familien mit ihren gesunden Kindern sieht, die oftmals die Tiefe einer solchen Situation nicht begreifen können. Die Feinheit, wie ich sie nennen möchte, ist vielen Menschen nicht gegeben. Sie denken nur an ihr eigenes Leben, genießen dieses in vollen Zügen, immer mit dem Gedanken im Kopf: Mir kann nichts passieren. Die Erfahrungen, die ich, meine Geschwister und meine Eltern täglich machen, haben gerade jüngere Leute in den meisten Fällen noch nie gemacht und werden es wahrscheinlich auch nie machen.

Somit kann man sagen, dass sich nicht nur das Leben unseres Bruders, sondern auch das von uns um 360 Grad gedreht hat. Und ich denke, dass diese Veränderung und die damit verbundenen Probleme gerade in den Familien am größten sind, in denen der Betroffene zuvor gesund gewesen ist und erst durch einen Unfall sich so sehr verändert hat. Natürlich ist es auch für Eltern schlimm, deren Kinder von Geburt an behindert sind, doch da besteht ein Unterschied: Diese Eltern haben ihr Kind nie anders gekannt.

Aus diesem Grund würde ich mich freuen von Geschwistern zu hören, die ihren Bruder oder ihre Schwester auch einmal anders gekannt haben, deren Familien- und Privatleben sich geändert hat und die auch auf der Suche nach Menschen sind, die nicht oberflächlich und selbstsüchtig, sondern tiefgründig und einfach nett sind, um mit euch per E-Mail in Kontakt zu treten.


Wir freuen uns auf Euch!!!

Hier meine E-Mail-Adresse, unter der ihr uns schreiben könnt:

Jeschi_h@web.de

Nadjeschda, Tim-Fabian & Janina